Gesangverein "Liederkranz"

Engelsbrand 1862 e.V.

Unser Chorleiter


Pforzheimer Zeitung 25.05.2019

Musiker aus Engelsbrand: Bernd Philippsen hat über 800 Kompositionen geschrieben

Enzkreis/Engelsbrand. Stolze 15 Jahre Musik-Studium, über 800 Kompositionen: Bernd Philippsen hat sein ganzes Leben der Musik verschrieben. Sich selbst beschreibt der 55-jährige freischaffende Pianist und Cembalist als Melancholiker – auf dem Land findet er Ruhe und Muße für seine Arbeit. Sechs Chöre leitet der gläubige Christ im Enzkreis, die er auch regelmäßig mit geistlichen Liedern versorgt. Irgendwann, so ist er überzeugt, wird seine Musik weltweite Beachtung finden.   

Betritt man den Hof von Philippsens Haus in Engelsbrand, in dem er mit Frau und Sohn lebt, schallen einem sanfte Klavierklänge entgegen, die den Garten samt Hühnerstall in eine fast künstliche Harmonie hüllen. Ein Landidyll. „Als Spätromantiker liebe ich die Stille und die Natur hier“, erklärt der Komponist. In seinem Musikzimmer stapeln sich in Decken hohen Regalen Notensammlungen und Werke über Musiktheorie. Zwei Klaviere und ein Flügel stehen dort bereit, außerdem zwei Cembalos – Instrumente, die wie aus der Zeit gefallen wirken. „Im Studium wäre der Begriff Außenseiter für mich ein Euphemismus gewesen“, beschreibt Philippsen seine isolierte Rolle unter den Mitstudierenden. Während diese auf neue Musik setzten, blieb er der als unmodern geltenden, tonalen Komposition bis heute treu. Nach 15 Jahren Klavier-, Cembalo- und Kompositionsstudium an den Universitäten Mannheim und Karlsruhe zog die Arbeit den aus Landau stammenden Musiker an die Jugendmusikschule Neuenbürg und somit erstmals in den Enzkreis. Die Liebe ließ ihn im Jahr 2004 in Engelsbrand sesshaft werden. Nach einem Streit um eine Festanstellung an der Musikschule Neuenbürg kündigte Philippsen und machte sich als Klavierlehrer selbstständig. Heute hat er 30 Schülerinnen und Schüler im Alter von vier bis 72 Jahren und leitet sechs Chöre im Enzkreis, unter anderem in Engelsbrand und Straubenhardt. Dass sich ausgerechnet sein elfjähriger Sohn mehr für Sport als für Musik interessiert, bereitet Philippsen aber kein Kopfzerbrechen: „Ein Musiker in der Familie reicht völlig aus.“ Geld spielt für den Künstler nach eigener Angabe nur eine nebensächliche Rolle. „Unterrichten ist für mich ein Brotberuf und Geld nur ein Mittel zur Freiheit.“ Damit meint er Zeit für seine Musik, die ihn begleitet, sobald er morgens die Augen aufschlägt. Denn über einen Computerbildschirm, den er mit einem Schwenkarm am Bett installiert hat, kann er sofort nach dem Aufwachen Noten eintippen. „Das brauche ich, denn im schlaftrunkenen Zustand fallen mir die besten Melodien ein“, verrät der 55-Jährige.

Autor: Constantin Hegel